„Ich würde dir gerne Helfen, Sam.“
Moment mal. Was? Sie will mir helfen? „Was meinst du damit?“
„Kannst du ein Geheimnis für dich behalten?“
Ich bin ziemlich gut im Geheimnis hüten. Meine Freundinnen laden ständig ihren Mist bei mir ab, weil sie wissen, dass ich nie ein Sterbenswörtchen darüber verlieren würde. Sie haben keinen Schimmer, dass ich seit fünf Jahren eine Zwangsstörung vor ihnen verberge.
„Klar kann ich das.“
„Gut. Dann zeige ich dir jetzt was. Aber du darfst niemandem davon erzählen. Und damit meine ich, wirklich niemandem. Nicht mal deiner Therapeutin.“

Seit bei Sam Zwangsstörungen diagnostiziert wurden, tut sie alles um ihre Krankheit vor ihren Freundinnen zu verbergen. Jeden störenden Gedanken, jeden zwanghaften Drang, versucht sie zu unterdrücken. Alles was sie will ist normal sein, sich normal fühlen.
Aber es ist nicht einfach für Sam, ihr Verhalten vor allen zu verbergen und die kritischen Stimmen ihrer Freundinnen setzten sie mehr und mehr unter Druck.
Als Sam an einem besonders schweren Tag zufällig auf Caroline trifft verändert sich alles. Ehe Sam es richtig begreift, erzählt sie Caroline ihre größtes Geheimnis. Und Caroline will ihr helfen. Weder weiß Sam, was auf sie zu kommt, noch ob sie Caroline wirklich trauen kann, doch sie nimmt all ihren Mut zusammen und lässt sich auf Carolines Vorschlag ein.
Und was sie entdeckt hätte Sam nie erwartet. Einen Ort, an dem sie herausfindet, wer sie ist. Die Dichterecke. Und mit ihr, schafft sie es ihre Gedanken in Worte zu wandeln und die Kraft der Worte zu nutzen. Außerdem ist sie fasziniert von den anderen Mitgliedern der Dichterecke, besonders von AJ.
Doch zu Sams größter Überraschung findet sie eine Freundin, Caroline, die sie unterstützt und nicht wegen der falschen Frisur mit bösen Blicken straft. Durch die Freundschaft zu Caroline beginnt Sam sich selbst zu vertrauen und sich zu akzeptieren. Sie beginnt sich zu verändern und beginnt sich durch die neue Sicht auf ihre Welt langsam normal zu fühlen. Aber kann Sam sich selbst wirklich vertrauen oder wird sie von ihrem eigenen Gehirn hintergangen? Um eine Wahrheit zu verbergen, die Sam niemals in den Sinn gekommen wäre?
Die Geschichte um Sam und ihre Selbstfindung hat mich wirklich berührt. Wie sehr eine Zwangsstörung ein Leben beeinflussen kann war mir bislang nicht bewusst. Sehr anschaulich beschreibt Tamara Ireland Stone die zwanghaften Gedanken und Handlungen die Sam das Leben erschweren. Mit dem Ende des Buches, kommt eine Wendung, die ich zwar zeitweise bereits vermutet habe, die sich aber vortrefflich in die Geschichte einfügt und einen wirklich gelungenen Roman abschließt.

Clara Lickert

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